Künstlerische Eingriffe in die Donaugartenschau
Deggendorf Zeitung vom 24.9.2011
Künstlerische Eingriffe in die Donaugartenschau
Noch bis morgen sind die vorgeschlagenen Kunstwerke in der Stadtgalerie zu sehen
Im Rahmen der Landesgartenschau Deggendorf 2014 sollen Kunstobjekte entstehen, die auf Dauer auf dem Gelände bleiben sollen. Entsprechend dem Motto Donaugartenschau und der Lage Deggendorfs als Tor zum Bayerischen Wald sowie als Bindeglied zum Gäuboden, sollen Kunstwerke gefertigt werden, die sich mit den Elementen Holz, Wasser, Stein, Metall und Erde auseinandersetzen.
Um die Teilnahme an dem engeren Wettbewerb „Kunst im öffentlichen Raum“ hatten sich 51 Künstler aus Deutschland, Österreich und Tschechien beworben. Aus diesem Bewerberkreis hat die Jury elf Künstler ausgewählt, die sich intensiv mit dem Ausstellungsort auseinandergesetzt haben. Zur Teilnahme eingeladen wurden Jörg Bachinger, Jiri Bayer, Erika Einhellinger, Annegret Hoch, Peter Kuba, Judith Lipfert, Marcel Manche, Atelier Scholle-Deubzer, Cornelia Raster, Andreas Sobeck und Herta Wimmer-Knorr.
Der Jury der Fachpreisrichter gehörten Hubert Huber, Berufsverband Bildender Künstler Regensburg, Ludwig Bäuml, Berufsverband Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz, Vit Pavlik, Südböhmischer Künstlerverband, Brigitta Petschek-Sommer, Stadtmuseum Deggendorf und Dr. Maximilian Seefelder vom Bezirk Niederbayern an. Die Sachpreisrichter waren OB Anna Eder, Deggendorf, Ingrid Rott-Schöwel und Waltraud Tannerbauer, beide Geschäftsführerinnen der Landesgartenschau Deggendorf, und Axel Klapka, Preisträger des Realisierungswettbewerbes Landesgartenschau 2014 GmbH.
Hubert Huber informierte bei einer Vernissage im Stadtmuseum über die Juryauswahl. Gebildet wurden vier Favoritenblöcke. Favoriten 1: Jörg Bachinger mit seiner Stahlkantlingen, fünf gekröpfte Stähle auf einer Sockelplatte. Die horizontal ausgerichtete, linear-flächige Arbeit, die die Weite und den Blick offen lässt, soll im Wiesenraum des Stadthallenparks aufgestellt werden. Der Fluss – die Donau – ist noch nicht sichtbar, der Betrachter wird jedoch schon auf den ortsbetonten Aspekt und den Charakter Donau/Gartenschau eingestimmt.
Judith Lipferts Arbeit Nebos, Netzboote wird von der Künstlerin so erklärt: Es gilt, Räume im Freien zu schaffen. Kojen oder Schiffe bieten der Entschleunigung Platz. Man kann sich zurückziehen, kommunizieren, philosophieren. Die Netze in der Stahlkonstruktion sind Schlafstätte und Ruheplatz der Fischer. Herta Wimmer-Knorr ist die dritte Künstlerin der Favoriten 1 mit ihrer Arbeit „Flaschenkind“, einer Figur, die aus Plastikflaschen besteht.
In der Kategorie Favoriten 2 finden sich Erika Einhellinger mit einem „liegenden Fischweib“ und Peter Kuba mit „enigmatischen Objekten“. Kategorie 3 zeigt die Künstlerin Annegret Hoch mit ihrem „Horizontglas“, einem Plexirohrglas, das Glasherstellung und Hinterglasmalerei symbolisiert. Andreas Sobeck zeigt eine „Stromboje“, die Transformation der Strömungsenergie, wie er sie nennt. In der Kategorie 4 ist Marcel Manche mit einem dreiteiligen Granit-Edelstahl-Objekt vertreten. Das Atelier Scholl-Deubzer zeigt das „Tor zum Wasser“ mit Deggendorf Motiven. Jiri Bayer stellt seine Edelstahlkonstruktion „Reiher“ aus, dessen Flügel einer Brücke ähneln und den man auch besteigen kann. Cornelia Raster zeigt eine Skulptur aus Glas und Metall: eine „Muschelhälfte“, die an der Donau gestrandet sein könnte.
Für die Realisierung der Projekte sollen Sponsoren gewonnen werden. Dieses Vorhaben kann interessante Züge annehmen: Wenn Kunst den Galerieraum verlässt und Teil des Stadtraums und des alltäglichen Blicks werden will, gelten plötzlich andere Gesetze. In Galerien, Kunsthallen und Museen bedarf es der Zustimmung weniger. Und diese Wenigen sind meistens Spezialisten. Im Stadtraum jedoch bedarf es der Zustimmung vieler. Und diese Vielen sind selten Spezialisten und neigen dazu, die Kunst nach Fragen des Geschmacks, der Schicklichkeit und der Gebrauchswerts zu beurteilen. Man fragt, ob es einem gefällt, ob es sozial verträglich ist, ob es nützt. Der Stadtraum ist der Raum der Demokratie und erlaubt nur in Ausnahmefällen exorbitante Leistungen. Im Gegensatz zur Kunst im Museum handelt es sich bei den meisten Beiträgen neuerer Kunst im öffentlichen Raum um Phänomene meist kurzer Dauer. Sobald man sich an sie zu gewöhnen beginnt, werden sie entfernt.
Mit ihrem kritischen Ansatz und mit Mitteln spezifischer Kunstformen wollen Künstler durch Eingriffe in die städtische Öffentlichkeit quasi Fallstricke legen und mit verwirrenden Angeboten den Einzelnen direkt ansprechen, zu einer verschärften Wahrnehmung führen und damit zur Sensibilisierung für die reale Umwelt konditionieren.
Die eingereichten Modelle und Skizzen sind nun auch für die Öffentlichkeit noch bis morgen, Sonntag in der Stadtgalerie im Stadtmuseum zugänglich. Öffnungszeiten der Ausstellung: Heute, Samstag, 10 bis 16 Uhr und morgen 10 bis 17 Uhr.
Peter Glotz
